Darlehen mit unterschiedlichen Tilgungskonstruktionen

Die Tilgung ist einer der beiden zentralen Bausteine - neben den Hypothekenzinsen - einer Baufinanzierung. Inzwischen erkennen immer mehr Banken, aber auch Versicherer, dass Kunden individuelle Finanzierungslösungen wünschen. 

 

Darlehen mit Sondertilgungen 

Nicht immer steht für den Darlehensnehmer zum Anfang einer Finanzierung fest, ob er im Laufe der Zeit über mehr freies Kapital zur Tilgung verfügt. Durch Gehaltserhöhungen oder Berufswechsel steht manchmal eine größere Summe zur Tilgung zur Verfügung, dies gilt ebenso bei Bonuszahlungen oder Abfindungen. Bei vielen herkömmlichen Annuitätendarlehen sind Sondertilgungen gar nicht oder nur in geringem Umfang möglich oder werden mit Zinsentschädigungen belegt. Der Grund: Die Tarife werden über die Laufzeit immer ohne unplanmäßige Einzahlungen gerechnet. Üblich sind jährlich Sonderzahlungen bis zu einer Höhe von 10 Prozent der Darlehenssumme und von bis zu 25 Prozent während der Zinsbindungszeit. Dabei müssen Sondertilgungen eine bestimmte Summe aufweisen. Meist muss der Darlehensnehmer mindestens 1.000 Euro, bei einigen Anbietern auch 2.500 Euro, auf einen Schlag tilgen. Doch bevor der Kreditnehmer Sondertilgungen vornimmt, ist auch ein Vergleich mit Geldanlagen wichtig. Denn statt einer Sondertilgung sind mit dem Kapital auch Geldanlagen möglich. Der Zinssatz für die Kapitalanlage sollte dann schon über dem Darlehenszins liegen, damit sich eine Ersparnis bis zum Ende der Zinsbindung einstellt. Ist dies nicht der Fall, so lohnt sich eine Geldanlage nicht. Darlehen mit Sondertilgungsmöglichkeiten sind nicht selten mit einem kleinen Zinsaufschlag belegt, müssen es aber auch nicht. Ein Darlehen mit Recht zur Sondertilgung ist besonders für Käufer oder Bauherren interessant, die eine Immobilie möglichst schnell abbezahlt haben wollen, beispielsweise vor der Rentenzeit.
 

Darlehen mit Tilgungsaussetzung/Tilgungsanpassung

Ein Erhöhen oder Absenken der Tilgungsleistung sind beim klassischen Annuitätendarlehen kaum möglich. Doch es gibt inzwischen Produkte, die eine bestimmte Anzahl von Tilgungsanpassungen während der Zinsbindung ermöglichen. Tilgungsanpassungen können während der Finanzierungszeit ein durchaus wichtiges Element bei der Rückzahlung des Darlehens werden. Wird der Kreditnehmer arbeitslos, so kann er die Tilgungsleistungen absenken, ohne dass seine Finanzierung in Gefahr gerät. Dies gilt ebenso in der Elternzeit, wenn ein Verdiener ausfällt und durch die Absenkung wieder mehr Freiraum für Lebenshaltungskosten geschaffen wird. Hier gibt es inzwischen auch Tarife, die sogar eine Tilgungsaussetzung für die Elternzeit anbieten. Gezahlt werden muss natürlich weiterhin der Darlehenszins. Andererseits kann der Darlehnsnehmer auch die Zahlungen erhöhen, ohne dass dies eine Zinsentschädigung auslöst. Mit einem geringen Zinsaufschlag für die Zusatzleistung ist allerdings zu rechnen, die auch dann anfällt, wenn nie eine Tilgungsanpassung vorgenommen wurde. Insoweit lohnt sich dieser Tarif auch nur für Personen, die wahrscheinlich während der Laufzeit eine Tilgungsanpassung oder -aussetzung vornehmen.
 

Darlehen mit Sondertilgungsauszahlungen

Einen etwas anderen Ansatz wählt ein Darlehenstarif, bei dem Sondertilgungen wieder rücküberwiesen werden. Bei diesen Reserve-Darlehen können vorgenommene unplanmäßige Einzahlung auch wieder aus dem Darlehensvertrag zurückgefordert werden. Die Mindestauszahlungsbeträge betragen etwa 5.000 Euro pro Auszahlung. Die Möglichkeit der Rückübertragung besteht jedoch in Deutschland nicht für die planmäßigen Einzahlungen. Nützlich ist dies Instrument bei plötzlich auftretendem Geldbedarf, beispielsweise für Reparaturmaßnahmen am Haus oder für einen Autokauf. Auch hier gilt: Mit einem leichten Zinsaufschlag muss der Kreditnehmer rechnen.

 

 

 

Ralf Schiefke

Dipl.-Finanzwirt (CoB) Unternehmensberater f. private Haushalte (IHK)

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